Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Veröffentlicht am Montag, 29. Januar 2024
Bürgermeisterstellvertreter Klaus-Dieter Brunotte (li.) erinnerte vor rund 80 Zuhörerinnen und Zuhörern an die ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger.
Bürgermeisterstellvertreter Klaus-Dieter Brunotte (li.) erinnerte vor rund 80 Zuhörerinnen und Zuhörern an die ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Im Äußeren Schlosshof haben am „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ viele Menschen im Alltag innegehalten. Auf unserem dortigen Mahnmal verewigt sind die Namen jener 97 jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger Bad Mergentheims, die während der Nazi-Diktatur deportiert und ermordet wurden.

Bürgermeisterstellvertreter Klaus-Dieter Brunotte erinnerte an sie. Und er rief dazu auf, sich Antisemitismus und Angriffen auf jüdisches Leben in Deutschland sowie allen Formen von Menschenfeindlichkeit auch im Hier und Jetzt entgegen zu stellen.

Der 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag. Er ist ein „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. Im Jahre 2005 wurde er von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt.

"Auch in Bad Mergentheim gab es zahlreiche Opfer, die brutal aus unserer Stadtgemeinschaft gerissen wurden.Sie wurden zu Menschenmaterial entwürdigt und ihrer Ehre beraubt. Indem wir ihrer mit Trauer gedenken, wollen wir ihnen, soweit möglich, Würde und Ehre zurückgeben", sagte Klaus-Dieter Brunotte, der sich vor den Opfern verneigte.

Er schilderte ein "unfassbare" Einzelschicksale anhand der Bad Mergentheimer Familie Salomon, deren Mitglieder in Auschwitz ermordet wurden oder schwer traumatisiert überlebten.

Und er sprach aktuelle Ereignisse an: "In Folge des furchtbaren Angriffs auf Israel mussten wir auch in Deutschland eine Welle erschütternden Antisemitismus erleben in Form von Angriffen auf Menschen, weil sie eine Kippa tragen, oder weil sie Hebräisch sprechen – oder dass Haustüren mit Davidsternen markiert werden, so wie in Berlin und anderswo geschehen. Jüdinnen und Juden in ganz Deutschland haben Angst vor Übergriffen." Dies dürfe nicht geduldet werden.

Mit Blick auf das Hier und Jetzt führte er weiter aus: "Mit Wut und Hass und Lügen baut man keine Gemeinschaft auf, man zerstört sie! Demokraten setzen sich für eine liberale Gemeinschaft in Vielfalt ein. Kontroverse Diskussionen, bei denen dem Andersdenkenden Respekt gezollt wird, gehören natürlich dazu. Doch die Liberalität muss da aufhören, wo der demokratische Staat und seine Werte im Grundgesetz angegriffen- oder gar abgeschafft werden sollen. Die Vorzüge einer demokratischen Verfassung sind so offensichtlich, dass ich nie daran gedacht hätte, man müsse sich je wieder grundsätzlich und aktiv für ihren Bestand einsetzen. Die vielen Demonstrantinnen und Demonstranten gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit, die in den vergangenen Tagen und Wochen auf die Straße gegangen sind für unsere Demokratie und für ein friedliches Zusammenleben, machen Mut, dass sich der Irrsinn des Nationalsozialismus nicht wiederholen wird, in welcher Spielart auch immer."